Mein Weg vom weniger Haben zu mehr Sein

Mein Weg vom weniger Haben zu mehr Sein

Ein Sommertag. Leichter Nieselregen. Ich schaue in den Laderaum des Umzugswagens. Dreißig Kartons Weihnachtsdekoration. Kann das sein? Ja, das ist so.

Die Kisten aus Küche und Esszimmer. Gott, ist mir die Entscheidung schwer gefallen. Nehme ich das schwarz-weiße Geschirr mit, das bunte oder das blaue Sommergeschirr ? Und was ist mit dem zwölfteiligen Weihnachtsservice? Und benötige ich Teile von dem sechzigteiligen schlichten weißen Service, das wir für größere Partys angeschafft hatten? Und was ist mit dem Geschirr der englischen Designerin, für deren Stil ich mich so begeistere? Und das Besteck, und die Gläser? Und die ganzen Dekoartikel?

Mein Herz wird schwer. Alles habe ich sorgsam mit Liebe ausgewählt und angeschafft. Okay, ganz so war das auch nicht. Ehrlich gesagt, habe ich Vieles einfach gekauft. Aus einem Impuls. Ach schön, haben wollen, kaufen. Impulskäufe eben. Das machen viele Menschen. Tröstet mich aber nicht. Denn ich habe ein Problem: Wohin mit dem ganzen Zeug in meiner 3-Zimmer-Wohnung mit knapp 70 qm? Und ein Zimmer davon bewohnt mein kleiner Sohn (und der hat im Verhältnis genauso viel Zeug).

Das Letzte was ich mitnehme ist mein Schmuck aus dem Safe. Mir wird ganz warm. Oh Gott, ich habe in meinem neuen Zuhause keinen Safe. Ich stelle fest, ich schaue zu viele Krimis ….

Tür zu. Schlüssel abgegeben. Und da fällt mir siedendheiß ein, ich habe die Tortenplatten vergessen. Die mit dem Fuß. Die hatte ich – vorsichtshalber – am Schluss einpacken wollen. Ich ärgere mich. Tagelang. Die (blöden) Tortenplatten verfolgen mich bis in den Schlaf. Keine Chance. Ich bekomme sie nicht mehr.

Das war 1998.

Heute – 2021 – besitze ich sechs Teller, ebenso viele Gläser, Tassen und Besteck. Ich lebe minimalistisch. Schaue genau hin, was ich brauche und mir gefällt.

Mein Lebensmotto: achtsam, entschleunigt, einfach, nachhaltig und erfüllt.

Doch 1998 machte ich erstmal weiter wie bisher. Arbeitete viel, um mir Dinge leisten zu können, die ich nicht wirklich brauchte. Ich war eine Sommer- und eine Wintergarderobe, ein Sommer- und ein Wintergeschirr, ein Sommer- und ein Winterauto gewohnt. Irgendwann fragte mich eine Freundin, wofür ich eigentlich zwei Autos bräuchte. Ja, wofür eigentlich? Ich war es einfach gewohnt.

Seit 1993 arbeite ich als Ordnungs- und Aufräumcoach. Mein Zeug war – wie sich das für eine Aufräumfrau gehört –  immer  ordentlich verstaut. Doch es war einfach viel zu viel.

2004 hatte ich einen Burnout. Was für ein Schock. Ich brauche mehr Entspannung, dachte ich und ließ mich zur Entspannungspädagogin ausbilden. Daraufhin praktizierte ich regelmäßig Autogenes Training und fing mit Meditation an. Alles mit dem Mindset, weiter bestens zu funktionieren. Bisher hatte ich, wenn ich mich erschöpft fühlte, mir immer etwas gekauft – jetzt meditierte ich – und forderte mich weiter.

Und? Der nächste Zusammenbruch kam prompt. 2007 war es soweit. Ein Jahr lang konnte ich nur minimal arbeiten. Als Selbstständige der finanzielle Supergau.

Nachdem ich mir einen Überblick über unsere Kosten verschafft hatte, fing ich an zu reduzieren. Daraufhin entließ ich unsere Haushaltsfee, suchte eine günstigere Wohnung und fragte mich zum ersten Mal ganz ehrlich: was brauche ich eigentlich wirklich?

 

2009 gab ich meine Selbstständigkeit auf, nachdem mir bewusst wurde, dass meine ganze Zeit in meiner Arbeit steckte.

Mit meiner kostbaren Zeit verdiente ich das Geld, um mir irgendwelches Zeug zu kaufen, was mich weder langfristig glücklich machte, noch erfreute.

Ab 2010 arbeitete ich wieder angestellt und endlich kam Ruhe in mein Leben. Ich entschleunigte achtsam mein Leben.

Nach dem Auszug meines Sohnes, suchte ich mir eine kleinere Wohnung. Ich zog um, zwar mit weniger, aber immer noch viel zu viel Zeug.

 

Beim (gelangweilten) Surfen, fand ich den You tube Kanal von Bea Johnson. Sah ihren kurzen Film und las ihr Buch „Zero waste“.

Mein Leben wurde nachhaltiger.

Es brauchte ein wenig, bis mir klar war, dass mich an diesem Film – abgesehen von der Zero Waste Lebensweise – vor allem die reduzierten minimalistischen Zimmer und Schränke faszinierten. Der Film „Minimalism“ gab mir den letzten Kick.

Was war eigentlich wirklich wichtig in meinem Leben? Arbeiten? Belohnen? Arbeiten? Belohnen? Ganz sicher nicht.

Konsequent verkaufte oder verschenkte ich alles, was ich nicht mehr benötigte: Bücher, CD’s, Kleidung, Dekoartikel …. Übrigens auch all meinen Schmuck (der war bis dahin sicher in einem Banksafe, was dazu führte, dass ich ihn jahrelang nicht trug).

Ich vereinfachte achtsam mein Leben.

Heute lebe und arbeite ich in meiner Wahlheimat im nordnordöstlichsten Niedersachsen.

Schon ein bisschen länger auf der Welt, hatte ich die Möglichkeit, mir einen reichen Schatz an Ausbildungen und Erfahrungen zu erarbeiten. Ich arbeitete im Einzelhandel; als Farb- und Stilberaterin im eigenen Studio; schrieb als Journalistin für namhafte Kosmetik- und Reformhausmagazine; gebe als Entspannungspädagogin und Achtsamkeitscoach Kurse;  begeistere Menschen als Dozentin und Trainerin und sammelte in den Verwaltungen unterschiedlichster Branchen Erfahrungen.

Heute weiß ich, was mir wirklich wichtig ist und übe mich täglich darin, dies konsequent zu leben.

Mein Leben heute: achtsam, entschleunigt, einfach, nachhaltig und erfüllt.

 

Gerne begleite ich dich auf deinem Weg – von Mensch zu Mensch – mit all meinen Erfahrungen und  Kompetenzen. Auf deinem Weg zu weniger Haben und mehr Sein. 

Schreib mir oder vereinbare unter www.gabriele-valerius.de einen unverbindlichen Kennenlerntermin.

Herzensgrüße
Gabi

Weitere Blogbeiträge, die dich vielleicht interessieren …

Zu Gast in Katrins Podcast

Katrin und ich haben uns an der "Akademie gesundes Leben" kennengelernt. Wir saßen zusammen in der Ausbildung "Kursleiter Meditation". Das war 2019. Seitdem sind wir in Kontakt. Jeder hat sich auf...

Gewohnheiten

Das ist eines meiner Lieblingsthemen. Was habe ich mich in meinem Leben schon abgestrampelt mit diesen Gewohnheiten. Und ich dachte, bei anderen ist das alles leichter und anders. Bis ich Folgendes...

Mein Weg vom weniger Haben zu mehr Sein

Ein Sommertag. Leichter Nieselregen. Ich schaue in den Laderaum des Umzugswagens. Dreißig Kartons Weihnachtsdekoration. Kann das sein? Ja, das ist so. Die Kisten aus Küche und Esszimmer. Gott, ist...

Sag was Sache ist

Das tust du? Bist du dir sicher? Oder erwartest du, dass der andere schon weiß, was und wie du es gerne hättest? Wenn jeder offen kommuniziert, wieso gibt es dann in Beziehungen so viele...

Tschüss „Winterblues“ – Fünf Tipps

Die Tage werden kürzer - morgens dauert es länger, bis es hell ist und abends ist es früher dunkel. Die Herbst- und Wintermonate beginnen, und das schon lange vor dem Datum des...

Schon mal meditiert?

Meditation ist in aller Munde und wird hochgelobt mit den positiven Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele. Deshalb finde ich, solltest du es einfach mal ausprobieren. Ich erzähle dir hier von...

Trinkst du genug?

Fühlst du dich manchmal müde und schlapp? Scheinbar grundlos? Hast du genug Flüssigkeit zu dir genommen? Wenn ich mich schlapp und müde fühle, so von jetzt auf gleich, dann gehe ich im Geiste auf...